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Im
brandenburgischen Forst / Lausitz hat sich im 19. Jahrhundert die
Textilindustrie, begünstigt von den nahen Braunkohlevorräten als
Brennstoff für die Dampfmaschinen, im großen Maß entwickelt. Sätze wie das
Manchester Deutschlands wurden genannt. 1930 gab es 400 Betriebe mit 16000
Arbeitern. Das Stadtbild schilderte man folgendermaßen:
«Ein Wald von Schornsteinen mit langen
Rauchfahnen bildet die charakteristische Silhouette dieser Stadt. Fabrik
reiht sich an Fabrik, ganze Viertel bedeckend in allen Stadtteilen.
Lokomotiven durchfahren die Straßen und schleppen Waggon um Waggon, auf
Rollböcke gesetzt, in die zahllosen Fabrikhöfe. Überall das Sausen des
Weberschiffchens, das Klappern der Stühle; Dampf pufft aus, Kohlenstaub
wirbelt umher.»
Mit Ende des 2.Weltkrieges wurde Forst
als Frontstadt von schweren Angriffen getroffen, die 88% der 120 noch
vorhandenen Textilbetriebe vernichtete. Nach Wiederaufbaumaßnahmen wurde
zum Teil mit überalterten Maschinen in VEBs weiter produziert bis zur
politischen Wende, die dann das völlige aus der hiesigen Textilfabriken
bedeutete. C.H. Pürschel ist nur eine der vielen architektonisch
bedeutungsvollen, aber ungenutzten Industriebauwerke, mit ungewisser
Zukunft in Forst. Überall wiederholt sich das Straßenbild leerer,
zerschlagner & vernagelter Fensterscheiben. Die Werksuhren zeigen seit
über 15 Jahren nur noch die gleiche Zeit an - Textilzentrum im
Dornröschenschlaf. Die gewaltigen Produktionshallen bei Pürschel sind bis
auf wenige übrig gebliebene Garnrollen, Spinde & anderer netten
Kleinigkeiten völlig ausgeräumt. In den Kellerräumen zeugen noch rostige
Stahltüren und die Schriftzüge Schutzraum XX von vergangenen Kriegstagen.
Einzig das angrenzende betriebseigene Kesselhaus steckte noch voller alter
Technik, welches ich ausgiebig zur Überbrückung eines Sommergewitters
erkunden konnte. |